Evapotranspiration
Evapotranspiration beschreibt, wie viel Wasser der Garten über den Boden und die Pflanzen verliert. Der Begriff setzt sich zusammen aus Evaporation (Verdunstung vom Boden und von feuchten Oberflächen) und Transpiration (Wasserabgabe der Pflanzen über die Blätter). Zusammen mit Regen und Bewässerung bestimmt dieser Verlust, wie schnell die Wurzelzone austrocknet und wann wieder Wasser gebraucht wird.
MIYO berechnet die Evapotranspiration pro Bewässerungskreis und zeigt dir so an, wie hoch der ungefähre Wasserbedarf deiner Zonen unter den aktuellen Bedingungen war. Eine ausführlichere Produktbeschreibung findest du auch unter miyo.garden/pages/evapotranspiration.
Worum geht es qualitativ?
An heißen, sonnigen und windigen Tagen verdunstet mehr Wasser; an kühlen, bewölkten oder feuchten Tagen deutlich weniger. Dichte Bepflanzung verdunstet vor allem über die Blätter, offener Boden eher über die Oberfläche. Trockener Boden gibt zudem weniger Wasser ab als feuchter – die Pflanzen und die Bodenoberfläche „drosseln“ dann den Verlust.
MIYO schätzt diesen täglichen Wasserverlust grob ab und rechnet ihn in eine nachvollziehbare Größe um (Millimeter pro Tag, wobei 1 mm ≈ 1 Liter pro m²). Typische Werte in Mitteleuropa liegen im Frühjahr und Herbst oft im Bereich von etwa 0,5–3 mm/Tag, im Sommer eher bei 2–7 mm/Tag – je nach Wetter und Zone stark schwankend.
Welche Daten fließen ein?
Die Berechnung nutzt pro Kreis eine Mischung aus Messwerten, Wetterdaten am Standort und deinen Garteneinstellungen.
1. Wetter am Standort
Aus den für deinen Cube hinterlegten Wetterdaten (Mittelwerte über den betrachteten Zeitraum, typischerweise die letzten ca. 24 Stunden) fließen unter anderem ein:
- Lufttemperatur
- Luftfeuchtigkeit
- Luftdruck
- Wind
- Bewölkung und Sichtweite (als Hinweis, wie stark die Sonne durchkommt)
- Niederschlag (Regen im Zeitraum)
Diese Größen beschreiben das Klima, das die Verdunstung antreibt oder dämpft.
2. Messwerte vom MIYO-Sensor
Ist ein Bodenfeuchtesensor dem Kreis zugeordnet, nutzt MIYO u. a.:
- Bodenfeuchte – wie nass der Boden aktuell ist (trockener Boden → geringerer tatsächlicher Wasserverlust)
- Sonneneinstrahlung / Helligkeit – u. a. über die Solarzelle und Helligkeitsmessung des Sensors, ergänzend zu den Wetterdaten
- Temperatur am Sensor (als Teil des Gesamtbildes im System)
Ohne Sensor bleiben Standortwetter und deine Kreisparameter die Grundlage; die Feuchteanpassung fällt dann weg bzw. ist eingeschränkter.
3. Einstellungen am Bewässerungskreis
In der App hinterlegst du pro Zone u. a.:
- Bodentyp (z. B. sandig, lehmig, tonig, gemischt) – sandige Böden speichern weniger und trocknen tendenziell schneller aus, tonige halten Wasser länger
- Pflanzentyp (z. B. Rasen, Hecke, Beet/Beetkultur, Bäume) – unterschiedliche Pflanzen und Bedeckung verdunsten unterschiedlich stark
- optional weitere Boden- bzw. Garteneigenschaften, soweit am Kreis konfiguriert
Außerdem berücksichtigt das Modell, dass der Wasserbedarf von Pflanzen über das Jahr schwankt (Wachstumsphase im Sommer, Ruhephasen im Winter).
Potenzielle und tatsächliche Evapotranspiration
MIYO unterscheidet grob zwei Ebenen:
- Potenzielle Evapotranspiration – wie viel Wasser maximal verdunsten könnte, wenn genügend Wasser im Boden wäre (getrieben vor allem durch Wetter und Strahlung)
- Tatsächliche Evapotranspiration – wie viel unter den realen Bedingungen ungefähr verloren geht, wenn Bodenfeuchte, Bodentyp und Bepflanzung mit einbezogen werden
Ist der Boden trocken, liegt der tatsächliche Verlust oft klar unter dem potenziellen Maximum. Zusätzlich fließt ein, dass Wasser auch tiefer im Boden versickern kann – je nach Boden und Feuchte unterschiedlich stark.
Was du in der App damit machen kannst
Die berechnete Evapotranspiration der letzten Stunden/des letzten Tages kannst du:
- manuell beobachten und deine Bewässerung an saisonale und wetterbedingte Schwankungen anpassen (die Feinjustierung bei Regenprognose o. Ä. übernimmt MIYO weiterhin über die übrigen Automatikregeln), oder
- automatisch nutzen: In den Bewässerungseinstellungen des Kreises kannst du die Anpassung an die Evapotranspiration aktivieren. MIYO kann dann die geplante Bewässerungsdauer an den berechneten Bedarf anpassen (weniger bei kühlem/feuchtem Wetter, mehr bei hoher Verdunstung – innerhalb sinnvoller Grenzen). Optional legst du fest, ab welchen Werten reduziert wird und ob eine Mindestbewässerung trotzdem erfolgen soll.
Die Evapotranspiration ersetzt weder Zeitfenster noch Bodenfeuchte-Freigabe noch Wetterschutz (Regen, Wind, …). Sie ist ein zusätzlicher Baustein, der den Mengen-/Daueranteil der Bewässerung an den aktuellen Wasserverlust der Zone angleicht. Details zur Entscheidungslogik der Automatik stehen unter Automatische Bewässerung.
Kurzüberblick
| Einfluss | Rolle im Modell (qualitativ) |
|---|---|
| Hitze, Sonne, Wind, trockene Luft | höherer Wasserverlust |
| Wolken, Kühle, hohe Luftfeuchte, Regen | geringerer Bedarf / Ausgleich durch Niederschlag |
| Bodenfeuchte (Sensor) | trockener Boden → weniger tatsächliche Verdunstung |
| Bodentyp | Speichervermögen und Austrocknungsverhalten der Zone |
| Pflanzentyp / Saison | wie stark die Bepflanzung „trinkt“ und bedeckt |
| Versickerung | Wasser, das der Wurzelzone nach unten entgeht |
So bekommst du in der App ein Gefühl dafür, warum eine heiße, klare Juni-Woche deutlich mehr Wasser verlangt als ein kühler, bewölkter Tag – und MIYO kann die Bewässerung entsprechend feiner steuern.
